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„Meinem Herzen so nah ...“

Eine Ausstellung in der Klinik Roderbirken

Schon in der Antike wurde das Erzählen als Heilfaktor erkannt, ärztliches Handeln definierte Asklepios wie folgt: "Zuerst heile mit dem Wort, dann mit der Arznei und zum Schluss mit dem Messer".

Mit Beginn der "modernen" Medizin wurde diese Maxime mehr und mehr vernachlässigt, der Fokus liegt auf "Fakten", die als objektiv und wissenschaftlich gelten.

In den letzten Jahren jedoch erfahren erzählende Gespräche eine Renaissance – insbesondere Geschichten über das, was zwischen Ärzten und Patienten geschieht. Die so genannte "Narrative Medizin" etabliert sich mehr und mehr in Abgrenzung zur evidenzbasierten Medizin.

Der Arzt und Psychoanalytiker Michael Balint war der Überzeugung, das wichtigste Heilmittel sei der Arzt selbst. Nicht das Präparat sei ausschlaggebend, sondern die Art und Weise, wie der Arzt es verschreibe, die Atmosphäre, in der die Medizin verabreicht werde.

Gespräche können dann als heilwirksam bezeichnet werden, wenn sie im Patienten positiv aktivierende Emotionen hervorrufen, die Selbstwirksamkeit erhöhen und zur Ressourcenaktivierung beitragen.

Das Gespräch mit den Versicherten steht daher im Mittelpunkt unserer Arbeit, die uns anvertrauten Sorgen und Nöte bilden gemeinsam mit den anderen Befunden die Grundlage für den Therapieplan. Der Einzelne empfindet sich häufig einsam und ratlos gegenüber seinem Schicksal. Das Erlebte aufzuschreiben kann der erste Schritt zu einer erfolgreichen Rekonvaleszenz sein.

Seit Anfang März werden die Gedanken von 14 PatientInnen in Textform i.R. einer Ausstellung in der Klinik präsentiert. Sie beinhalten u.a. die Themen Krankheitsverarbeitung/ - erleben, Trauer und Trost, Nahtoderfahrung, narzisstische Kränkung u.v.a.m.

Sie sollen im Idealfall unseren PatientInnen helfen, mit ihren Ängsten und Sorgen besser zurechtzukommen, indem sie sich in den Schilderungen wiederfinden.

  • "In meinen Träumen nach dem Eingriff wurde mir vor Augen geführt, wie vergänglich unser Leben ist. Ich schwor mir, von nun an bewusster mit meiner Zeit umzugehen und nicht mehr ausschließlich der Arbeit und dem Geld nachzulaufen."
  • "Nur 9 Tage nach dem schönsten Moment in meinem bisherigen Leben, der Geburt meiner Tochter, geriet ich in akute Lebensgefahr. Meine erweiterte Hauptschlagader musste notfallmäßig operiert werden. Plötzlich war da, wo zuvor nur Freude geherrscht hatte, grenzenloses Leid."
  • "Die Auseinandersetzung mit dem Thema Herzinfarkt, mit dem Tod, meiner Vergangenheit, alltäglichen Gewohnheiten, Risikofaktoren und vielen anderen Dingen erfordert viel Kraft. Ich bin es nicht gewohnt, mich so intensiv mit mir selber zu beschäftigen."

Die hier zitierten Gedanken bereichern auch die Arbeit der Ärzte/ innen, die dabei entstehende Nähe wird als Vertrauensbeweis empfunden.
Die Ausstellung soll daher von unseren PatientInnen auch als Gesprächsangebot verstanden werden; so kann es gelingen, sich mit "hörenden Herzen" zu begegnen.

 

Bild Bildtitel: Dr. Tobias Gampert, stellv. Ärztlicher Direktor der Klinik Roderbirken, hat seit Juni 2015 schriftliche Patientenaufzeichnungen gesammelt und nun zu einer Ausstellung zusammengestellt

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